Eröffnung Frauenwohnen der Caritas Salzburg

Zur Ruhe kommen im eigenen Zuhause

Zur Ruhe kommen im eigenen Zuhause

Im Bild v.l.: Andrea Schmid, stv. Caritasdirektorin mit Dir. MMMag. Dr. Anna Doblhofer-Bachleitner, Leiterin des Geschäftsbereichs „Raiffeisenbanken und Warenbetriebe“ der Raiffeisen Bank.

Anna Doblhofer-Bachleitner gilt als Schirmherrin für das am 4. März eröffnete Frauenwohnen. Ihr liegen Frauenthemen persönlich sehr am Herzen und sie setzt sich mit großem Engagement für Frauen in Not ein.

In der Salzburger Plainstraße gibt es seit Anfang 2022 eigene, leistbare Wohnungen für Frauen in Not – auch mit Kindern. Ein Zuhause, eigene vier Wände, Stabilität und Perspektive für Frauen, die sich dadurch leichter aus belastenden Situationen lösen und in ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben begleitet werden können.

Es sind Frauen in Not, die hier einziehen werden. Emotionale Abhängigkeit, finanzielle Schwierigkeiten, ungesicherte Wohnverhältnisse, psychische Erkrankungen oder Gewalt: die Gründe für die Not sind vielfältig. Das Frauenwohnen begleitet die Frauen in ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben. Sie helfen bei der Selbstorganisation, stärken Selbstwert und Alltagskompetenzen, unterstützen bei der Regelung finanzieller Angelegenheiten und helfen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche.

34 Wohnungen mit je etwa 30 m2 samt Bad und Küche stehen zur Verfügung.

Grundsätzlich für alle Frauen in Not, aus Stadt und Land Salzburg. Das Mindestalter ist 18 Jahre, die Frauen müssen in der Lage sein, sich selbstständig zu versorgen und das Nutzungsentgelt aufbringen können.

Finanziert wird das Projekt mit Förderungen des Landes Salzburg, Mitteln der Wohnbauförderung, des Nutzungsentgeltes und aus zweckgewidmeten Spenden.

Das Haus in der Plainstraße 83 wird bereits seit den 1950ern von der Caritas genutzt: Als „Caritasheim St. Elisabeth“ für Jugendliche und Heimatvertriebene, dann als Unterkunft für die Schülerinnen der „Vorschule für Familie und Beruf“ – später wurde auch die Schule dort untergebracht. Auch die Caritas-Familienhelferinnen wohnten in der Plainstraße 83. Nach der Hochwasserkatastrophe 1959 fanden evakuierte Familien hier eine Unterkunft. Von 1983 bis Ende Dezember 2019 wurde das Haus als Flüchtlingsquartier genutzt.

Rückblick Eröffnung 4. März 2022

Zweiter Standort in Planung


Frauenrechte sind Menschenrechte. Darauf macht jedes Jahr am 8. März der „Weltfrauentag“ aufmerksam. Bei all den positiven Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte sind Frauen immer noch stark benachteiligt.

Und: Frauen sind unterschiedlichen Formen von Gewalt ausgesetzt: physisch, psychisch und strukturell. Emotionale Abhängigkeit, finanzielle Schwierigkeiten, ungesicherte Wohnverhältnisse, psychische Erkrankungen oder Gewalt: die Gründe, warum Frauen in Notsituationen kommen, sind vielfältig.

Die Caritas hilft Frauen in Not: zum Beispiel mit dem neuen „Frauenwohnen“ in der Salzburger Plainstraße. Am 4. März 2022, wurde das Haus feierlich eröffnet. Das nächste Frauenwohnen ist bereits in Planung: in Hallein beginnt die Caritas voraussichtlich 2023 mit dem Umbau des „Dechanthofes“, hier sollen 16 Wohnungen für Frauen in Not entstehen.

Andrea Schmid, stellvertretende Direktorin der Caritas Salzburg: „Engagement und Hilfe für Frauen und die Sorge um Familien und Kinder haben jahrzehntelange Tradition in der Caritas Salzburg: Familienhilfe, Frauen-Notschlafstelle und nun das Frauenwohnen. Auch in der Zukunft setzen wir hier einen Schwerpunkt: bereits nächstes Jahr werden wir mit dem Bau unseres zweiten Frauenwohnens in Hallein beginnen. Denn: Frauen sind enorm von Gewalt betroffen. Von September bis Dezember 2021 gab es alleine in Stadt und Land Salzburg 247 Wegweisungen und Annäherungsverbote – das sind 62 im Monat!“

Die Caritas gibt diesen Frauen eine Perspektive. Im ersten Schritt leistbaren Wohnraum, um zur Ruhe zu kommen. Ein stabiles Zuhause. Dann Beratung und Unterstützung in jeder Hinsicht für die Zukunft in Richtung eines selbstständigen und geordneten Lebens. „Das ist ein Meilenstein für den Schutz von Frauen in Salzburg. Vielen Dank an Land und Stadt Salzburg für die großartige Unterstützung, ohne die wir diese Schutzunterkünfte nicht anbieten könnten“, sagt Andrea Schmid.

Andrea Klambauer, Landesrätin für Wohnbau und Frauen: „Frauen scheint der Verbleib in einer belastenden Abhängigkeitsbeziehung oft als einzige Möglichkeit, wenn die finanziellen Mittel für eine eigene Wohnung nicht reichen. Mit Unterstützung der Wohnbauförderung gibt es nun 34 leistbare und lebenswerte Übergangswohnungen. Es gibt hier Beratung, die Frauen dabei unterstützt, ihre Autonomie wieder zu erlangen. Die Frauen zahlen selbstständig das Nutzungsentgelt und organisieren ihren Alltag, jedoch können sie sehr niederschwellig auf Unterstützung zurückgreifen. Im Gewaltschutz ist die Stärkung der Autonomie der Frauen die beste Prävention. Wir realisieren in Salzburg ein Umfeld, das dies ermöglicht.“

Anja Hagenauer, Stadträtin für Soziales: „Unser Ziel einer #gewaltfreienStadt Salzburg ist nur gemeinsam mit den vielen Menschen und Organisationen zu erreichen, die mit uns die Zukunft gestalten. Die Caritas gehört durch ihr vielfältiges Engagement seit jeher zu unseren wichtigsten Partner:innen, wenn es darum geht, Menschen in Not zu unterstützen. Mit der Eröffnung dieses Projektes wird Frauen, die von Gewalt betroffen sind, eine Chance gegeben, aus der Spirale der Abhängigkeit auszusteigen und wieder zu einem selbstbestimmten Leben ohne Gewalt zu finden. Mit dem neuen Frauenwohnen wird somit ein weiterer Puzzlestein gesetzt, um Frauen nicht alleine in Gewaltkontexten zurückzulassen und uns unserem Ziel der #gewaltfreienStadt ein Stück näher zu bringen. Wichtig ist für mich, dass weitere Puzzlesteine folgen, denn der Kampf gegen Gewalt braucht mehr als ein Haus oder eine Maßnahme. Es braucht unser ständiges Hinschauen und „Stop!“ – sagen, um erfolgreich sein.“

Alina*: Eine Bewohnerin des Frauenwohnens erzählt:

Ich lernte meinen Freund sehr jung kennen. Ich wurde mit 18 schwanger und brach meine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau ab, um mein Kind versorgen zu können. Leider habe ich keine Familie mehr, die mich unterstützen konnte. Meine Mutter starb sehr früh, meinen Vater kenne ich nicht. Mein Freund verdiente nicht viel und ich nahm, als mein Sohn in den Kindergarten kam, eine Teilzeitstelle als Putzfrau an, um irgendwie über die Runden zu kommen. Wir konnten uns gerade mal die Miete leisten und Essen kaufen – für mehr war kein Geld da.

Der schrecklichste Tag in meinem Leben war, als die Polizei vor meiner Tür stand und mir die Nachricht überbrachte, dass Thomas von einem LKW übersehen wurde und tödlich verunglückte. Mich hat das alles so mitgenommen und dadurch, dass ich jetzt ganz alleine mit so wenig Geld dastehe, sind psychische Probleme dazugekommen. Ich leide seither unter Angstzuständen und Panikattacken. Kann nicht mehr richtig schlafen und bin erschöpft.

Hinzu kommt, dass der Vermieter den Mietvertrag nicht verlängert hat und ich aus der Wohnung raus muss. Ich habe mir Hilfe bei der Caritas Sozialberatung geholt, weil ich keine leistbare Wohnung gefunden habe und bin so auf das Frauenwohnen gestoßen.

Jetzt habe ich ein leistbares Dach über den Kopf. Mein Ziel ist es, wieder gesund zu werden. Wenn ich das schaffe, will ich meine Ausbildung fertig machen um meinem Sohn ein besseres Leben bieten zu können. Er soll sich nicht so durchkämpfen müssen wie ich.

*Name geändert.

Es benötigt Frauenpolitik!

Neben der konkreten Hilfe für Frauen braucht es aber auch Frauenpolitik: „Es müssen mehr Angebote gesetzt werden, um Abhängigkeiten und dadurch das Verharren in gewalttätigen Beziehungen zu verhindern. Gerade Trennungen bedeuten oft ein enorm erhöhtes Armutsgefährdungsrisiko für Frauen. Hier sind eine Reform des Unterhaltsvorschusses und ein flächendeckendes Angebot an Kinderbetreuung nötig. Außerdem brauchen Frauen ein existenzsicherndes Einkommen und eine ausreichende Pension, um nicht in Armut und Abhängigkeitsverhältnisse zu geraten“, erklärt Andrea Schmid.

Vielen Dank an Land und Stadt Salzburg für die großartige Unterstützung, ohne die die Caritas diese Schutzunterkünfte nicht anbieten könnte.

Sachspenden (z.B. Ausstattung), Zeitspenden (z.B. freiwillige Arbeit) und Geldspenden sind natürlich sehr willkommen und eine wichtige Unterstützung für das Projekt.

© Bericht von Frau Mag. Johanna Koller